Neue Westfälische vom 16.2.2016

Neue Westfälische vom 16.2.2016

 

Als Nicht-Bielefelder bin ich natürlich nicht direkt betroffen, doch als Coach und Mediatorin finde ich diese umfangreichen Sperrungen schon bedenklich!

Wenn die Erfahrung zwischen Vermittlung und Assoziation voll gesperrt wird, dann führt das doch zu größeren Störungen!! Und auch der Spannungsbogen, den es ja unbedingt gilt aufrecht zu erhalten, wird voll gesperrt – und während wir noch daran arbeiten, wird die Erfahrung  zur Einbahnstraße …oh je! Da kommen wir nie mehr raus und stecken fest!

Puh, Gott sei Dank bleibt der Zugang zur Vermittlung offen, was uns allerdings nicht so richtig weiter bringt, da der Hermeneutische Zirkel, der, wie wir wissen, ja dazu da ist, die Widersprüche zwischen Autor und Empfänger zu überbrücken, ja auch voll gesperrt ist!!

Eine ziemlich verfahrene Situation da in Bielefeld… Da bin ich ja froh, dass in Hamburg noch vieles offen ist.

 

Ausschnitt Campusplan Bielefeld

Ausschnitt Campusplan Bielefeld

Ich sitze gerade im Zug und vor mir breitet sich die Vielfalt der menschlichen Spezies aus: der Gute-Laune-Typ mir gegenüber, dessen Sitz kaputt ist und der mir bei jeder Zugbremsung mit lautem Lachen  entgegen gesaust kommt, wenn sein Sitz in Liegeposition fährt. Oder auf der anderen Gangseite – Jungdynamiker steigt zu, setzt sich anderem Jungdynamiker gegenüber, breitet Zeitung, Laptop etc aus und öffnet ein Becks. Bei der nächsten Zugbremsung- na ja ist bestimmt schon klar – ergießt sich das Bier über iPad, Bauch und Schoß seines Gegenüber. Der Verursacher, der seine blöde Bierflasche nicht sichern konnte, tut so als ob es ihn gar nichts angeht: „Hat sich jetzt die Flasche in Bewegung gesetzt…?“ fragt er während der biernasse Mitfahrer mit Feucht-, Trocken-, und Tempotaschentüchern des freundlichen Schweizers, der mir schräg gegenüber sitzt, ausgestattet versucht, sein iPad und seinen Anzug trocken zu reiben. Dabei guckt er mich an (ich bin die einzige Frau in diesem Kreis) und fragt, wie er das seiner Frau erklären soll!?!
Ja, das weiß ich jetzt auch nicht, was gibt’s denn da zu erklären?

Holzeisenbahn

Meine Bewunderung gilt dem Schweizer, der profimäßig mit Erste-Hilfe-Tüchern ausgestattet ist und auch gleich berichtet, was er damit im Zug und überhaupt unterwegs alles von sichtbarem und unsichtbarem Schmutz befreit.
Ich mache mir gedanklich eine Einkaufsliste für Budni… Ich beantworte jetzt mal Emails hier im EC (indem nach Auskunft eines weiteren Fahrgastes immer die Laptops geklaut werden!) Auf meinen fragenden Blick hin sagt er kurz: ja, eben Eurocity! Aha – ich hinterfrage das jetzt mal nicht!

Haben Sie auch mindestens einen Ratgeber in Ihrer Bibliothek? Ganz ehrlich, mindestens einen.

Geht man heute in ein Buchgeschäft, dann läuft man an gefühlten Kilometern Ratgeber„literatur“ entlang. Wie wir essen, uns bewegen sollen, wie wir unsere Kinder erziehen, klüger machen, wie wir mit unserem Partner reden, uns nicht mehr unterbuttern lassen – und überhaupt – wie wir glücklich werden. Dort werden Rezepte angeboten, Rezepte was genau wie zu tun ist, damit alles klappt.

Warum sind die Menschen denn bloß so wild darauf, nachlesen zu können was genau sie tun sollen, was sie sagen müssen, wie sie dabei zu gucken haben? Der Markt der Ratgeber wächst und wächst.

Aber seien Sie mal ehrlich, ist es nicht verlockend und bequem, einfach nur ein Buch aufzuschlagen und das zu tun, was da leicht verständlich und in klaren Anweisungen geschrieben steht. Das hat viele Vorteile:

  1. Ich muss mich nicht mit mir und meinem Verhalten auseinandersetzen.
  2. Ich bin nicht verantwortlich, wenn es nicht funktioniert, sondern im Zweifel werfe ich das Buch in die Mülltonne.
  3. Ich spare (vermeintlich) Zeit – die Instant-Lösung rausgeholt, angewendet und gut ist (oder auch nicht).Ratgeber

Leider, leider wird so oder ähnlich nicht nur im privaten Bereich agiert, sondern auch im beruflichen. So manches Unternehmen möchte gern in besonders kurzer Zeit möglichst viel an Wirkung. Wenn es um technische Fakten oder betriebswirtschaftliches Know-how geht, ist es  m.E. auch möglich.

Problematisch wird es, wenn es um Verhaltensänderung geht. Sei es im Vertrieb in der Kundenkommunikation, im Führungsverhalten oder in der Teamarbeit. Hier wird im Coaching und Training dann manchmal gern mit Instant-Lösungen gearbeitet. Natürlich – in dem vorgegebenen, zeitlich engen Rahmen bleibt wenig Zeit, zu konfrontieren, in Reflektionsarbeit zu gehen und individuell Lösungsansätze zu erarbeiten.

Natürlich kann ein Expertenrat in einer bestimmten Situation sehr hilfreich sein und ist oft auch Teil eines Coachings. Doch ein Training oder Coaching, das auf Verhaltenstipps basiert, macht eher ratlos als ressourcevoll. „Heben Sie Ihre Stimme, wenn Sie mit Ihrem Mitarbeiter sprechen, der sich gegen Ihre Anweisungen auflehnt…“ dann, ja dann macht sich die Führungsnachwuchskraft möglicherweise ein wenig lächerlich und zum Gesprächsthema in der Teeküche: „Sag mal weißt du, was mit dem Müller los ist?“

Möglich, dass er wieder einem absoluten Verhaltenstipp aufgesessen ist – nur die Mitarbeiter, die sitzen dem bestimmt nicht auf…

Wenn wir denn Verhaltenstipps geben wollen, dann ist es hilfreich, diesen auch in den Kontext einzuordnen und das zu personifizieren: „Mir hat in dieser Situation gut geholfen, xy zu tun, vielleicht kann dir / Ihnen das auch helfen…“ Ja – vielleicht und vielleicht auch nicht!

Erst dann, wenn die  Abhängigkeit des Verhaltens von Einstellung und Werten, die mögliche Wirkung in Bezug zu spezifischen Situationen verstanden ist, erst dann wird es möglich, sein eigenes Verhalten zu verändern – und zwar so, dass es hilfreich ist. Hilfreich zum Beispiel für Führungskräfte, in wirklichen Kontakt zu ihren Mitarbeitern zu kommen. Das wird ihnen mit angelernten Gesprächsführungstechniken nicht gelingen.

So weist zum Beispiel eine Gallup-Studie von 2013 darauf hin, dass sich nur 13 % der Beschäftigten an ihren Arbeitgeber gebunden fühlen und 63 % Dienst nach Vorschrift machen würden. Der volkswirtschaftliche Schaden – so die Studie – belaufe sich auf 100 Milliarden Euro. Zurückgeführt wird das hauptsächlich auf Defizite bei den Vorgesetzten. Wenn jetzt Unternehmen daraus die Konsequenz ziehen und ihre Vorgesetzten qualifizieren, dann ist das ein guter Schritt. Gleichzeitig, liebe Personalverantwortliche, belassen Sie es nicht bei zwei Tagen „Mitarbeitergespräche führen“, sondern geben Sie die Zeit, dass sich die Führungskräfte in ihrer Haltung, ihrer Einstellung reflektieren können und das unter qualifizierter Anleitung – auch mit Expertenrat aber ohne Instantlösungen.

 

Facebook und Apple – ganz vorn dabei wenn es um Innovationen geht. Mein erstes Gefühl war – nein – kein Aufatmen, dass die Gleichberechtigung der Frau einen weitern Schritt vorangekommen ist.

Mich beschlich eher ein ungutes Gefühl… und von ganz fern grüßt Aldous Huxley

Ich stelle mir das so vor. Junge Frauen, die im Alter von Mitte bis Ende zwanzig aus dem Studium / der Ausbildung ins Unternehmen kommen, top qualifiziert, motiviert, leistungsstark und energiegeladen – sie geben alles in ihre Arbeit, für ihre Karriere. Wogegen ja erst einmal nichts einzuwenden ist, oder? Nein, überhaupt nicht. Es ist ja auch ein gutes Gefühl, nach der Zeit auf der Uni all das umsetzen und anwenden zu können und „richtiges“ Geld zu verdienen. Und vor diesem Hintergrund entscheidet sich dann möglicherweise die eine oder andere Frau für das egg-freezing, weil sie sich zunächst auf ihre Karriere konzentrieren will und gleichzeitig „vorsorgen“ will, dass eine spätere Schwangerschaft noch möglich ist. Das ist eine persönliche Entscheidung, die zu respektieren ist. Das sind persönliche Lebensentwürfe, die so vielfältig und unterschiedlich sein können, wie die Individuen, die sie treffen.

Jetzt kommen Unternehmen wie Apple und Facebook auf die Idee, dort doch mal ein bisschen in die Lebens- und Familienplanung einzugreifen – mit finanziellen Anreizen nur zum Besten für die jungen Mitarbeiterinnen selbstverständlich, denn sie können endlich gleichberechtigt Karriere machen!

3d human with a red question mark

Vielleicht gibt es hier außerordentlich kreative Gestaltungsmöglichkeiten z.B. in der Höhe der Prämien oder Sonderleistungen. Wie wäre es z.B. wenn es Abstufungen für besonders qualifizierte und leistungsstarke Frauen gäbe? Grundprämie bis 35 Jahre, xl-Prämie bis 40 Jahre, xxl-Prämie bis 45 Jahre – na ja, und nur für ganz, ganz, ganz hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen, die auch gesundheitlich absolut top fit sind und bis 50 alles für das Unternehmen geben, für die gibt es dann ganz besondere Gratifikationen. (Ich weiß allerdings nicht genau ob in diesen Unternehmen 50-jährige weibliche Arbeitskräfte noch zu finden sind?)

Also danach, wenn sie alles für das Unternehmen gegeben haben, dürfen diese Frauen dann ihre eingefrorenen Eier auftauen und wenn sie Glück haben, dann wird eine Schwangerschaft daraus und wenn sie noch mehr Glück haben, dann haben sie auch noch so viel Kraft und Energie, ihre Kinder großzuziehen. Ach ja, dürfen die Frauen denn danach eigentlich weiter arbeiten? Oder werden sie dann abgeschrieben wie ein Computer, der am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen ist?

Und übrigens – ja natürlich – wo bleiben denn die Väter in diesem Modell?

Also einmal ganz provokativ – man könnte ja, ganz theoretisch, auch daran arbeiten, eine Arbeitssituation zu schaffen, die es jungen Frauen und Paaren ermöglicht, Kinder- und Karrierewunsch miteinander zu verbinden – einfach mal so angedacht.

Ich wohne am Rande eines Stadtteils in Hamburg in dem sehr viele, sehr wohlhabende Menschen wohnen. Diese Menschen, die hinsichtlich ihrer Kleidung gern einer Uniformität frönen (siehe auch Die Menschen in den Einkaufsstraßen), haben überdurchschnittlich viele Kinder, die dann gern auf Namen wie Zita-Katharina oder Eckbrecht-Rüdiger hören. Dieses Mehr an Kindern ist, wenn man die allgemeine Bevölkerungsentwicklung in Deutschland betrachtet, natürlich gut. Noch besser ist, dass diese Kinder, wenn man den Gesprächen der Eltern glauben möchte, dass also diese Kinder alle potenzielle Nobelpreisgewinner sind.

Beim Einkauf in einem Feinkostgeschäft in eben diesem Stadtteil kann ich immer wieder interessanten Gesprächen in der Schlange vor mir beiwohnen: Meine Tochter, so eine stolze Mutter neulich, kann Schuberts (Klavier)Sonate No. 13 fehlerfrei spielen. Und in der Schule ist sie Klassenbeste.
Die andere Mutter wollte dem nicht nachstehen und berichtete nun ihrerseits von ihrem phänomenalem Sohn, der bei Jugend Forscht nicht mehr teilnimmt, da dies ja eine Veranstaltung für eher schlichtere Geister ist und stattdessen…

Tolle_Kinder

Jedenfalls mache ich mir keine Gedanken über die Zukunft Deutschlands. Bei all diesen Ausnahmetalenten!

Andererseits würde ich mich auch freuen, wenn Eltern mal zugeben würden, dass sie ein durchschnittsblödes Kind haben, so eines, wie ich es mal war.  :roll:

 

Ostern kommt … bald.

Meistens plötzlich, so ähnlich wie Weihnachten. Nur, dass Ostern noch mehr Feiertage am Stück hat.

Ehe man sichs versieht – zack – ist Ostern!

Karfreitag – auch ein Feiertag. Eigentlich ist Freitag Isemarkt – jetzt aber schon am Donnerstag, oh Gott!

Alle, aber wirklich Alle sind da und schubsen sich unter der U-Bahn-Trasse – die hier als Hochbahn verläuft – über den Markt auf der Jagd nach dem letzten Lammbraten.

Da ist noch die Einladung zum Osterfeuer… Jeder bringt eine Kleinigkeit zu essen mit. Allerdings – bis die Kleinigkeit zu einer ebensolchen wird, bedarf es einiger Großartigkeiten an Zutaten.

Egal – jetzt erst mal einen Tee, einen Moment die wärmende Sonne genießen.

Weshalb feiern wir noch gleich Ostern? Ach ja, wegen der Schokoladenhasen und die sind ja schon da!

Warten auf Ostern

Zu Hause in Hamburg fahre ich oft mit der Metrobuslinie 5. Bemerkenswert an dieser Linie ist vielleicht, dass sie Europas meist frequentierte Buslinie mit über 60.000 Fahrgästen am Tag ist. Entsprechend viel zu sehen gibt es bei einer Fahrt mit der 5.

Abgesehen von den vielen Menschen, die oft eine Fahrt kurzweilig erscheinen lassen ist mir neulich etwas Merkwürdiges, etwas ganz Anderes aufgefallen: Es gibt an den Türen jeweils Knöpfe, die mit dem Wort  ‚Fahrgastwunsch’ überschrieben sind. Voller Begeisterung malte ich (der Fahrgast!) mir aus, was ich denn so alles nach Knopfdruck wünschen könnte. Dass der Bus mich heute, da ich viel Gepäck dabei habe, bis vor die Haustür fährt? Oder ich die Fahrt verkürzen kann und mir einfach eine Reihe Haltestellen wegwünsche? Oder die junge Dame hinter mir, die lautstark in ihr Mobiltelefon brüllt, einfach wieder an ihre Einstiegs-Haltestelle zurückwünsche?

Fahrgastwunsch

Nun, alles probiert, funktioniert nicht.

Vielleicht ist das auch ein Wunschknopf für die Fahrer der Busse? Einmal gedrückt, sind alle Fahrgäste so, wie manch Fahrer sie sich vielleicht wünscht?

Eine Nachfrage bei der Hamburger Hochbahn, die diese Buslinie betreibt, hat ergeben, dass damit der Fahrgast den Wunsch, an der nächsten Haltestelle auszusteigen, dem Busfahrer anzeigen kann. Zunehmend werden diese Hinweise durch das Wort ‚Haltewunsch’ ausgewechselt.

Nun ja, als Fahrgast muss man halt genügsam sein…

Gestern habe ich gelesen, dass die Deutsche Bahn im Jahr 2013 von Januar bis November auf einen Pünktlichkeitswert im Fernverkehr von 73,4 % kommt. Das bedeutet, dass 73,4 % aller Züge weniger als sechs Minuten Verspätung haben, so die offizielle Zählweise der Bahn.

Komisch nur, dass ich zu 73,4 % (zumindest gefühlt) in genau den 26,6 % der Züge sitze, die mehr als sechs Minuten Verspätung haben (mein Rekord 2013 waren 110 Minuten).

Interessant auch, dass die Bahn ausgefallene Züge nicht unter die Verspätungen zählt mit der Begründung, dies komme nur selten vor. Dann stehe ich auf dem Bahnsteig des Dammtorbahnhofs und sinniere darüber, dass ich, da mein ICE ersatzlos ausfällt, offizielle gar keine Verspätung haben werde, aber mindestens eine Stunde später am Ziel ankomme.

 

Ähnliche Beobachtungen habe ich bei DHL gemacht: Dieses Unternehmen punktet in seiner Öffentlichkeitsarbeit mit weit höheren Quoten als die Bahn, was die zuverlässige Zustellung der Pakete betrifft.

Der Rest sind Einzelfälle. Und das bin ich. Pakete an mich werden von DHL eingelagert (angeblich auf Kundenwunsch) und nach 14 Tagen zurückgeschickt, Benachrichtigungen über einen Zustellungsversuch werden nicht in den Briefkasten gesteckt. Vielleicht sollte ich alle zwei Tage mal einen kleinen Spaziergang zu der für mich zuständigen Postagentur unternehmen, um zu schauen, ob nicht vielleicht etwas für mich angekommen ist?
Manche Pakete werden von DHL auch schon mal sofort zurück geschickt mit dem Verweis, der Empfänger sei unbekannt. (Liebe DHL-Mitarbeiter: Ich wohne an meiner Adresse seit der Zeit als Ihr Unternehmen noch Deutsche Bundespost hieß) Es gibt auch Pakete, die nie wieder auftauchen. Alles eben nur Einzelfälle. Leider passieren sie mir dauernd.

 

Churchill soll angeblich mal gesagt haben: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Honi soit qui mal y pense…

Manchmal muss man seine Perspektive verändern

An dieser Stelle konnten Sie im letzten Blog über die „Vielfalt“ unserer Einkaufsstraßen lesen… 

Beleben wir jetzt einmal diese Einkaufsstraßen mit den Bewohnern, dann korrespondiert  die Vielfalt der Geschäfte mit der bunten Vielfalt der Bekleidung.

In Hamburg werden die Straßen, kaum dass es kälter wird, bevölkert von Woolrich-Parka-tragenden Menschen, UGG-Boots komplettieren das Outfit – und das schon mindestens seit 3 Jahren!

Da frage ich mich, ob es wirklich noch darum geht, modisch im Trend zu sein oder doch viel mehr darum, eine Art Zugehörigkeit zu demonstrieren und damit eine gewisse Fantasielosigkeit in Kauf zu nehmen (oder gar keine Fantasie zu haben?).

Uniformitaet

Wir können hier vielleicht von „Zugehörigkeit im öffentlichen Bereich“ sprechen (frei nach Joseph R. Myers). Möglicherweise gibt es hier aber auch das Phänomen, in der großen, kalten und wettbewerbsorientierten Welt eine Art Bindung oder Heimat zu finden? Warm sind die Parkas auf jeden Fall, leitet sich die Kompetenz dieses Unternehmens doch ehemals aus der Produktion von Arbeitskleidung für Trapper, Jäger und Holzfäller ab – also ist die Frage: bedeutet die physische Wärme durch diese Mäntel gleich seelische Wärme für seelisch verarmte Städter?

À propos Zugehörigkeit – In meiner  Kindheit fuhren wir mit dem Auto in Urlaub. Spätestens hinter dem Brenner blinkten sich die deutschen Autofahrer mit der Lichthupe an – mich durchrieselte dann immer ein Schauer…wir gehören zusammen. Vielleicht geht es den Woolrichparka-tragenden Menschen auch so…

Ich kaufe mir sehr selten eine Matratze. Ich gehe auch nicht dreimal wöchentlich zum Friseur. Ob ich mir täglich 10 Brötchen kaufe? Wohl kaum…

Das ist es aber, was ich eigentlich tun müsste, wenn ich eine durchschnittliche Einkaufsstraße besuche. Ich wundere mich, dass es an wirklich jeder Ecke einen Matratzen-Laden gibt. Und zwischen den Matratzen-Läden gruppieren sich gefühlte Millionen von Bäckereifilialen und Friseure.

Hans Olaf Henkel, der frühere BDI-Präsident hat einmal den Satz geprägt: „Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden“.
Er wollte damit ausdrücken, dass ohne produzierendes Gewerbe eine Volkswirtschaft nicht funktionieren kann.

Und trotzdem gibt es heute 260.836 Friseure in Deutschland, im Durchschnitt einen Friseur für 300 Einwohner, wobei dabei Babys, Glatzenträger etc. mit inbegriffen sind und eine bestimmte Anzahl an Friseurdienstleistungen durch Schwarzarbeit geleistet wird. Wer also geht zu all diesen Friseuren? Es wird mir ein Rätsel bleiben. Auch wer all die Matratzen kaufen soll bleibt mir schleierhaft.

Einkaufsstraße

Da freue ich mich doch über ein (für mich) neu entdecktes Eisen- und Haushaltwarengeschäft, bei dem man Nägel noch stückweise kaufen kann. Im Überschwang der Freude, das es solch ein Geschäft noch gibt, habe ich gleich die doppelte Menge an Nägeln gekauft, als ich sie gebraucht hätte. Sonst macht da am Ende nächste Woche noch eine Bäckereifiliale auf…

Ich war gestern im Thalia Theater – an sich nichts besonderes, doch dieses Mal irgendwie schon – es fand dort der „Städtebattle“ Berlin gegen Hamburg statt.

Im Kampf der Künste maßen sich dort (junge, aber nicht nur) Autoren im Wettbewerb um die beste Geschichte, um die besten Texte und die beste Performance.

Und – es ging, wie auf der Website von Kampf der Künste zu lesen ist – auch um die Ehre, wer darf sich für ein Jahr „…als wahre Hauptstadt des Poetry Slam bezeichnen“?

B vs HHGut – gewonnen hat Berlin …aaaaber, die meisten Punkte in der Einzelwertung (und auch der Gesamtwertung bis zum Schluss) hat der Hamburger geholt, der – schade, schade, schade – im Finale dann seinen Text vergaß.

Was ich mich dann ja frage ist, wie man wohl damit umgeht? Immerhin hing davon ja Sieg oder Niederlage für die eigene Stadt ab!

Möglicherweise hat er eine ausgeprägte Resilienz (aus dem Englischen (resilience= Widerstandsfähigkeit, Belastbarkeit) und in seiner kindlichen Entwicklung die notwendigen Fähigkeiten (z.B. Selbstwirksamkeitsüberzeugung) erworben, mit belastenden Situationen umzugehen.

Oder für ihn ist es gar nicht belastend und er freut sich einfach wie Bolle (auch als Hamburger), dass er einen rauschenden Applaus bekommt? Oder er guckt schon wieder nach vorn und freut sich über einen möglichen Anruf vom Rowohlt Verlag oder er ruft da selbst an, denn, so sagt er sich vielleicht, was dem Thalia-Publikum gefiel, gefällt vielleicht auch einem größeren Publikum?

Ja, ich weiß es natürlich nicht, denn ich konnte Tolga Daglum ja nicht fragen. Auf jeden Fall waren seine Texte einfach großartig und ich würde mich freuen sie irgendwann lesen zu können…nur dass ich keinen Verlag habe und von daher um so mehr daran interessiert bin, dass er eine Möglichkeit zur Veröffentlichung findet.

 

 

Da gibt es die nicht enden wollenden Diskussionen um die Sonnenscheindauer, gemessene und gefühlte Temperaturen und Niederschläge im Vergleich… So what … Heute ist es in Hamburg einfach wunderschön!

Hamburg in der Septembersonne

Hamburg in der Septembersonne

Eine Einladung...

Eine Einladung…

 

... die genutzt werden muss

… die genutzt werden muss

 

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